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Redaktionelle Beiträge von Mitgliedern des Teckids e.V.

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Eine interessante Debatte ergab sich heute an unserer Partnerschule in Odenthal, ausgelöst durch die Erzählungen einiger Schüler von ihren Erfahrungen vom 33. Chaos Communication Congress und der Freizeit Hack'n'Fun 2016 X-Mas.

Nachdem ein Schüler der Gruppe von Siebt- und Achtklässlern ausführlich von den Möglichkeiten des 3D-Drucks berichtete, stellte ein anderer Schüler eine sehr wichtige und stundenfüllende Frage: „Sollten 3D-Drucker nicht verboten werden, wenn man damit z.B. Schusswaffen herstellen könnte?“

Ich griff die Frage auf und machte sie kurzerhand zum Unterrichtsthema der Stunde. So entwickelte sich schnell eine rege, sachliche und sehr interessante Diskussion, bei der die Schüler ihre Standpunkte erörterten und gemeinsam auch Meinungen und Erfahrungen aus anderen Bereichen heranzogen. Hierbei spielte die Frage, ob die Produktion funktionsfähiger Schusswaffen mit 3D-Druckern tatsächlich möglich ist, zunächst keine Rolle.

Das sehr breit gefähcerte Spektrum an Meinungen bot eine gute Grundlage für einige Querverbindungen zu wichtigen Themen der Informatik und Netzpolitik. Hier die Thesen und Antithesen der Schüler, abgesehen von nicht näher spezifizierten Ja- und Nein-Meinungen:

  • Ja, 3D-Drucker sollten dann verboten werden, weil man ja zum Erwerb einer Waffe sonst auch einen Waffenschein braucht.
  • Nein, 3D-Drucker sollten nicht verboten werden, aber die Software sollte die Produktion bestimmter Gegenstände verhindern.
  • Ja, denn nur die Rüstungsindustrie darf Schusswaffen herstellen.
  • Nein, denn man kann mit 3D-Druckern ja nicht nur Waffen produzieren.
  • Ja, denn die Kontrolle wäre sonst unmöglich.

Der Austausch der Schüler konzentrierte sich schnell auf die Frage der Kontrollierbarkeit, so dass ich den Blick als Exkurs auf das Thema DRM (Digital Rights Management) lenkte. Nachdem die Schüler selber herausfanden, was dieser Begriff bedeutet, betrachteten wir zunächst den Schülern schon bekannte Schutzmechanismen aus dem Bereich der Lizenzierung von multimedialen Inhalten, wie etwa DRM-geschützen Filmen bei Amazon, iTunes oder Netflix. Die übergeordnete Frage hierbei war: „Möchtest du, dass ein Hersteller, dem du viel Geld gibst, für dich entscheidet, was du mit dem von dir gekauften Produkt machst?“

Zuletzt spielte auch eine Betrachtung der so genannten „Killerspiel-Debatte“ eine Rolle. Rückblickend auf Ereignisse wie Schulamokläufe (kurze Anmerkung: Ich fühle mich alt. Ich erzählte die ganze Zeit von Erfurt und wunderte mich über das Unwissen der Schüler. Rückblickend stelle ich fest, dass dieses wohl bisher größte derartige Ereignis lange vor der Geburt der meisten Schüler der Gruppe stattfand) griffen wir kurz die Frage auf, ob gewaltverherrlichende Videospiele generell verboten werden sollten. Hier zeigte sich ein sehr einstimmiges Meinungsbild: Keiner der Schüler sprach sich für ein derartiges Verbot aus.

Nachdem dieser kurze Impuls die Schüler zur Erkundung ihrer selbst gesteckten Grenzen für staatliche Kontrolle und Regulierung gegeben war, einigten sich die Schüler größtenteils auf eine Kompromisslösung, nämlich die softwaregesteuerte Kontrolle von gedruckten Objekten. Zur Frage, inwieweit so etwas technisch machbar sei und wie weit eine solche Einschränkung gehen dürfe, wurden weitere Impulse gegeben.

Auch, wenn ich den Konsens der Schüler nicht teile, da ich mich generell für die uneingeschränkte Freiheit von Technologie einsetze und die notwendigen Kontroll- und Präventionsmechanismen an anderen, vorwiegend sozialen, Stellen sehe, muss ich sagen, dass ich mit der inhaltlichen Auseinandersetzung der Schüler sehr zufrieden bin!

Meine eigene, begründete Meinung teilte ich den Schülern abschließend, klar als eine solche, persönliche Meinung benannt, ebenfalls mit. Während hier viele Lehrer eine Verpflichtung zur absoluten Zurückhaltung sehen, halte ich eine Meinungsäußerung in beide Richtungen für richtig und wichtig, so lange den Schülern klar ist, dass es sich um eine ihren eigenen Äußerungen gleichgestellte Meinungsäußerung handelt.