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Redaktionelle Beiträge von Mitgliedern des Teckids e.V.

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Heute morgen stieß ich beim Durchlesen meiner Twitter-Timeline auf einen Blogbeitrag eines 11-jährigen Jungen, der an der PyCon 2014 in Kanada teilnahm und darüber sehr ausführlich und in einem hervorragenden Artikel berichtet.

Als Reaktion auf den Tweet las ich dann die ungläubige Antwort eines anderen Benutzers, der umfangreiche Zweifel daran äußerte, dass ein 11-jähriger Junge den Text verfasst haben kann.

Angesichts der Ziele unseres Vereins und meiner eigenen Sichtweisen und gerade nach meinen Erfahrungen der Deutschland-Tour zu unseren neuen Tutoren möchte ich einmal in einem Blogpost äußern, dass ich es schade finde, wie wenig Kindern großflächig zugetraut wird.

Egal ob in der Schule, zu Hause oder in der Freizeit - die Unterschätzung der Fähigkeiten von Kindern ist sehr weit verbreitet. Klar gibt es schwächere und stärkere Kinder, aber Unterscheide - auch in unseren Fähigkeiten zu haben - ist eine Eigenschaft von Menschen, nicht speziell von Kindern.

Und natürlich sieht man die versteckten Fähigkeiten der Kids auch nicht, wenn man nie die Möglichkeit einräumt, diese zu entfalten. Das ist ein Phänomen, das ich besonders seit meinem Wechsel als ehrenamtlicher Mitarbeiter an die Sekundarschule Remscheid beobachte. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit entdeckt man Talente bei Schülern, die den Aussagen ihrer Grundschullehrer zufolge (und in der Folge natürlich auch ihrer eigenen Einschätzung nach) nur sehr wenig leisten können. Und am Ende landen gerade diese Kinder dann bei uns als Tutoren.

Doch auch, wenn ein Kind es schafft, Anerkennung für seine Fähigkeiten zu erhalten, fehlen häufig die Angebote zum Ausbau. Ich bin froh, dass ich das persönlich, und auch als pädagogischer Leiter unseres Vereins, für einzelne Kinder ändern kann - ich bitte aber alle Menschen darum: Nehmt unsere Kinder ernst, traut ihnen etwas zu, und glaubt ihnen, dass sie etwas können!

Was ich bei "ganz normalen" Kindern gesehen habe, übersteigt alles, was ich selber für möglich gehalten hätte. Doch 11-jährige, die sich selber durch Minecraft in die Lage versetzen, Theoretische Informatik-Klausuren auf Uni-Niveau zu läsen und Grundschüler, die völlig selbstverständlich freie Software, Hash-Funktionen und git erklären, existieren wirklich - und nicht nur vereinzelt. Dabei rede ich nicht von Nerds, sondern von Kindern wie allen anderen.

Ach ja, dieser Blog ist auch nur dadurch entstanden, dass einer unserer Jüngsten eine Möglichkeit suchte, sich Gehör mit einem Artikel über freie Suchmaschinen zu verschaffen - und aus diesem Grund die Mitglieder-Blogs eingeführt wurden. Danke für deine hervorragende Idee und deine Vorarbeit, Simon!