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Open Source-Kontributionen Minderjähriger

Wenn Kinder und Jugendliche, also Minderjährige, an Projekten mitwirken, gibt es dabei viele verschiedene Facetten zu betrachten. Besonders in unserer transparenten Vereinsarbeit und Projekten, in denen Programmcode, Dokumente, audiovisuelle Medien oder andere Werke entstehen, ist einer dieser Facetten die Frage nach der Lizenzierung.

In Deutschland ist jedes kreative Werk durch das Urheberrechtsschutzgesetz geschützt. Das bedeutet, dass der Rechteinhaber, also der Autor eines Werkes, eine eindeutige Entscheidung darüber treffen muss, welche Rechte er anderen Personen einräumt. Diese Rechte können zum Beispiel die Aufführung, Veröffentlichung, Veränderung oder Weitergabe seines Werkes sein.

Der Teckids e.V. hat als Verein im Bereich Bildung das Ziel, die Ergebnisse seiner Arbeit grundsätzlich so vielen Menschen wie möglich so frei wie möglich zugänglich zu machen. Deshalb wählt der Verein für seine Werke Lizenzen aus, die die Nutzung, Weitergabe und das Verwenden zum Schaffen neuer/abgeleiteter Werke erlauben.

Jedes Mitglied (oder Nicht-Mitglied) muss also eine Entscheidung treffen, ob es seine Beiträge unter einer freien Lizenz anbeitet oder nicht. Für Minderjährige ist das gar nicht so einfach, da die Lizenzierung eine Willenserklärung ist, zu deren Abgabe Kinder und Jugendliche nicht grundsätzlich befähigt sind. Eltern können diese Befähigung jedoch erteilen.

Im Folgenden möchten wir die Problematik ausführlich erklären.

Nutzung freier Software / Allgemeines

Mit der Nutzung korrekt lizensierter freier Software (also nicht „Public Domain“ — gemeinfreier Werke) geht der Benutzer ein Rechtsgeschäft mit dem Rechteinhaber ein. Die Akzeptanz der Lizenz ist eine Willenserklärung, durch die der Benutzer nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt — mit der Akzeptanz der Lizenz gehen auch Auflagen einher, üblicherweise die Verpflichtung zur Weitergabe unter gleichen Bedingungen, vor allem auch von Veränderungen. Dieses „Problem“ betrifft vor allem die GNU GPL und ähnliche Lizenzen; BSD-artige Lizenzen wie z.B. die MirOS-Lizenz sollten unproblematisch sein, da der Benutzer hier ausschließlich einen rechtlichen Vorteil („Schenkung“), aber keine Verpflichtungen, erlangt. Relevant sind also die folgenden Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches:

„Der Minderjährige bedarf zu einer Willenserklärung, durch die er nicht lediglich einen rechtlichen Vorteil erlangt, der Einwilligung seines gesetzlichen Vertreters.“

§107 BGB

„Wer eine Schenkung unter einer Auflage macht, kann die Vollziehung der Auflage verlangen, wenn er seinerseits geleistet hat.“

§525 BGB

Für Open Source-Projekte ist also zu beachten, dass ein Minderjähriger ohne eine solche Einverständniserklärung unter Umständen nicht zu den durch die Lizenz auferlegten Pflichten herangezogen werden kann. Wirklich relevant wird das aber erst, wenn der Minderjährige tatsächlich in die Situation kommt, diese Auflagen erfüllen zu müssen — die reine Nutzung findet ohne die elterliche Einwilligung zwar theoretisch betrachtet auch ohne Akzeptanz der Lizenz statt, allerdings sollte dabei niemand ein Problem sehen.

Kontribution zu freier Software / eigene freie Software

Die Kontribution zu freier Software wird prinzipiell durch dieselben Paragraphen eingeschränkt. Stellt ein Minderjähriger Code oder andere Werke unter eine Lizenz, welcher Art auch immer, so stellt dies eine Willenserklärung dar, zu der er ohne Einwilligung der Eltern nicht befähigt ist. Grundsätzlich kann ein Minderjähriger also ohne Einwilligung der Eltern keine freie Entscheidung über die Weitergabe des Nutzungsrechtes seiner Werke treffen. Die Lizenzgabe als Willenserklärung eines Minderjährigen, dem die Einwilligung der Eltern nicht vorliegt, ist also hinfällig und somit ist jeder Code, Dokumentation, Graphik usw. eines Minderjährigen ohne diese Einwilligung als proprietär zu betrachten.

Elterliche Einwilligung zur Kontribution im Bereich Freie Software / Open Source

Als Ergebnis dieser Erörterungen haben wir eine schriftliche Einwilligung erstellt, mit der Eltern ihr Kind zu den oben genannten Punkten befähigen und ihm damit die (fast) uneingeschränkte Kontribution in Open Source-Projekten ermöglichen können. Das Dokument steht hier unter der CC-BY-SA Lizenz zum Download bereit:

Elterliche Einwilligung zur Open Source-Kontribution eines Minderjährigen (PDF)