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Mitglieds-Blog von Dominik George

All 1

Eine interessante Debatte ergab sich heute an unserer Partnerschule in Odenthal, ausgelöst durch die Erzählungen einiger Schüler von ihren Erfahrungen vom 33. Chaos Communication Congress und der Freizeit Hack'n'Fun 2016 X-Mas.

Nachdem ein Schüler der Gruppe von Siebt- und Achtklässlern ausführlich von den Möglichkeiten des 3D-Drucks berichtete, stellte ein anderer Schüler eine sehr wichtige und stundenfüllende Frage: „Sollten 3D-Drucker nicht verboten werden, wenn man damit z.B. Schusswaffen herstellen könnte?“

Ich griff die Frage auf und machte sie kurzerhand zum Unterrichtsthema der Stunde. So entwickelte sich schnell eine rege, sachliche und sehr interessante Diskussion, bei der die Schüler ihre Standpunkte erörterten und gemeinsam auch Meinungen und Erfahrungen aus anderen Bereichen heranzogen. Hierbei spielte die Frage, ob die Produktion funktionsfähiger Schusswaffen mit 3D-Druckern tatsächlich möglich ist, zunächst keine Rolle.

Das sehr breit gefähcerte Spektrum an Meinungen bot eine gute Grundlage für einige Querverbindungen zu wichtigen Themen der Informatik und Netzpolitik. Hier die Thesen und Antithesen der Schüler, abgesehen von nicht näher spezifizierten Ja- und Nein-Meinungen:

  • Ja, 3D-Drucker sollten dann verboten werden, weil man ja zum Erwerb einer Waffe sonst auch einen Waffenschein braucht.
  • Nein, 3D-Drucker sollten nicht verboten werden, aber die Software sollte die Produktion bestimmter Gegenstände verhindern.
  • Ja, denn nur die Rüstungsindustrie darf Schusswaffen herstellen.
  • Nein, denn man kann mit 3D-Druckern ja nicht nur Waffen produzieren.
  • Ja, denn die Kontrolle wäre sonst unmöglich.

Der Austausch der Schüler konzentrierte sich schnell auf die Frage der Kontrollierbarkeit, so dass ich den Blick als Exkurs auf das Thema DRM (Digital Rights Management) lenkte. Nachdem die Schüler selber herausfanden, was dieser Begriff bedeutet, betrachteten wir zunächst den Schülern schon bekannte Schutzmechanismen aus dem Bereich der Lizenzierung von multimedialen Inhalten, wie etwa DRM-geschützen Filmen bei Amazon, iTunes oder Netflix. Die übergeordnete Frage hierbei war: „Möchtest du, dass ein Hersteller, dem du viel Geld gibst, für dich entscheidet, was du mit dem von dir gekauften Produkt machst?“

Zuletzt spielte auch eine Betrachtung der so genannten „Killerspiel-Debatte“ eine Rolle. Rückblickend auf Ereignisse wie Schulamokläufe (kurze Anmerkung: Ich fühle mich alt. Ich erzählte die ganze Zeit von Erfurt und wunderte mich über das Unwissen der Schüler. Rückblickend stelle ich fest, dass dieses wohl bisher größte derartige Ereignis lange vor der Geburt der meisten Schüler der Gruppe stattfand) griffen wir kurz die Frage auf, ob gewaltverherrlichende Videospiele generell verboten werden sollten. Hier zeigte sich ein sehr einstimmiges Meinungsbild: Keiner der Schüler sprach sich für ein derartiges Verbot aus.

Nachdem dieser kurze Impuls die Schüler zur Erkundung ihrer selbst gesteckten Grenzen für staatliche Kontrolle und Regulierung gegeben war, einigten sich die Schüler größtenteils auf eine Kompromisslösung, nämlich die softwaregesteuerte Kontrolle von gedruckten Objekten. Zur Frage, inwieweit so etwas technisch machbar sei und wie weit eine solche Einschränkung gehen dürfe, wurden weitere Impulse gegeben.

Auch, wenn ich den Konsens der Schüler nicht teile, da ich mich generell für die uneingeschränkte Freiheit von Technologie einsetze und die notwendigen Kontroll- und Präventionsmechanismen an anderen, vorwiegend sozialen, Stellen sehe, muss ich sagen, dass ich mit der inhaltlichen Auseinandersetzung der Schüler sehr zufrieden bin!

Meine eigene, begründete Meinung teilte ich den Schülern abschließend, klar als eine solche, persönliche Meinung benannt, ebenfalls mit. Während hier viele Lehrer eine Verpflichtung zur absoluten Zurückhaltung sehen, halte ich eine Meinungsäußerung in beide Richtungen für richtig und wichtig, so lange den Schülern klar ist, dass es sich um eine ihren eigenen Äußerungen gleichgestellte Meinungsäußerung handelt.

Es ist so weit: Nachdem mich dieses Thema nun seit über einem Jahr beschäftigt, muss ich damit an die Öffentlichkeit gehen. Da das Jobcenter Remscheid seit geraumer Zeit Leistungsempfänger, deren Kinder im Rahmen von Bildungs- und Teilhabe-Leistungen an den Freizeiten unseres Vereins teilnehmen, um ihre Leistungen bringt und uns und den Leistungsempfängern auf Kosten der Kinder das Leben besonders schwer macht, muss nun ein Verfahren her, mit dem wir diese Situation nachhaltig ändern können.

Da wir in der Vergangenheit intensiv mit einer Schule in Remscheid zusammengearbeitet haben und generell darauf bedacht sind, auch Kinder mit besonderem Förderbedarf aus sozial schwächeren Umfeldern zu integrieren, haben wir regelmäßig mit „Kunden“ (Eigenbezeichnung Jobcenter) des Jobcenters Remscheid zu tun. Gemäß dem zweiten Buch des Sozialgesetzbuches (SGB II), Paragraph 19, stehen den Kindern von Leistungsempfängern monatlich 10 € für „Bildung und Teilhabe am öffentlichen und kulturellen Leben“ zu. Dieser Etat kann für Sportvereine, Ferienfreizeiten usw. ausgegeben werden. Inoffiziell kann dieser Etat auch in anderen Stückelungen ausgegeben werden (die meisten Freizeiten werden nicht in Monatsraten bezahlt).

Während einige Jobcenter diese Leistungen gerne und zuverlässig erbringen, so dass den Kindern viel Spielraum für ihre Förderung bleibt, befindet sich das Jobcenter Remscheid regelmäßig am untersten Ende der Skala und macht uns und den Familien das Leben wesentlich schwerer, als es ohnehin schon ist.

Sehen wir uns einige Beispiele an (Namen geändert):

  • Marius, 11 Jahre, nahm im Sommer 2014 an den FrogLabs in Sankt Augustin teil, Teilnehmerbeitrag 50 €. Die Mutter beantragte die Übernahme aus den oben genannten Leistungen. Es war belegt, dass Marius noch ausreichend Mittel für das Kalenderjahr zustanden. Der Antrag wurde verschleppt, und zwar bis ins neue Jahr. Die Mutter war mit der Situation und anderen Schikanen des Jobcenters derartig überfordert, dass sie auf unsere Schreiben nicht mehr reagierte. Beim Jobcenter selber verweigerte man uns aus Datenschutzgründen die Auskunft. Nach langer interner Diskussion und Rücksprache mit der Schule als Berater entschieden wir uns, das gerichtliche Mahnverfahren gegen die Mutter einzuleiten, um letztenendes das Jobcenter als Drittschuldner zur Zahlung zu verpflichten. Das Jobcenter bezahlte im Juli 2015 den ursprünglichen Teilnehmerbeitrag, jedoch so, als sei der Antrag neu. Der Etat des Kindes von 2014 verfiel, die Freizeit wurde vom Etat für das Jahr 2015 agezogen. Die Mahnkosten wurden nicht übernommen. Auch der gesetzlichen Auskunftspflicht aus dem Pfändungs- und Überweisungsbeschluss kam das Jobcenter nie nach. Aufgrund der Aussichtslosigkeit haben wir der Familie die Mahnkosten erlassen und haben so von den ursprünglichen 50 € etwas mehr als 2 € erhalten. Darüberhinaus schämt sich die Mutter für den Ablauf der Geschichte, so dass das Kind nun nicht mehr an Freizeiten teilnehmen wird. Marius selber wurde um mindestens 50 € betrogen, da der Etat 2014 verfallen musste.
  • Janina, 13 Jahre, nahm im Sommer 2015 an den FrogLabs teil. Die Mutter reichte den BuT-Antrag rechtzeitig beim Jobcenter ein und erhielt hierüber eine Bestätigung. Als die Zahlung ausblieb, fragten wir bei der Mutter nach und erhielten eine Kopie des Eingangsstempels. Um der Familie die unverschuldete Last abzunehmen, riefen wir beim Jobcenter an, jedoch wurden wir nicht zu einem Sachbearbeiter durchgestellt. Auf Nachfrage der Familie bei der Sachbearbeiterin wurde erklärt, dass er Antrag in der Hauspost verloren gegangen sei und neu gestellt werden müsse. Der Antrag wurde zeitnah neu eingereicht. Nach nunmehr vier Monaten warten wir noch immer auf die Bezahlung. In diesem Fall bleibt uns auch nur die Einleitung des Mahnverfahrens, da uns die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Remscheid nicht möglich ist und wir nur Handhabe gegen die Familie selber haben - ob diese den Aufwand und die Mehrkosten ersetzt bekommt, ist fraglich.
  • Jessica, ebenfalls 13 Jahre, nahm ebenfalls im Sommer 2015 an den FrogLabs teil. Der Fall verlief zunächst genau so wie bei Janina, doch seit Januar 2016 hat das Jobcenter die Zahlung aufgenommen. Allerdings scheint das Jobcenter über üblichen kaufmännischen Grundsätzen zu stehen und hat sich selber eine Ratenzahlung gewährt, ohne dies je mit uns zu vereinbaren. Die Raten werden vom neuen Etat 2016 bezahlt, auch hier wird das Kind also dadurch, dass der Etat 2015 verfiel, um mindestens 50 € betrogen.

Wir haben als Verein entschieden, dass wir dieses Gebaren nicht abfangen können und leider die betroffenen Familien wie jeden anderen Zahler behandeln müssen. Dies wäre grundlegend anders, wenn das Jobcenter offener mit den Jugendhilfeträgern und Vereinen zusammenarbeiten würde. Dies ist allerdings nicht möglich, da die Leitungs des Jobcenters Remscheid auf keinerlei Anfragen reagiert. Die einzige zu erhaltende Auskunft ist, dass die Zeit von der Genehmigung bis zur Zahlung regulär bis zu 12 Wochen beträgt. Doch auch weit nach dieser Frist tut sich nichts.

Damit nicht weiter sowohl Kinder und Familien als auch wir unter diesem Gebaren leiden, bleibt nun nur die Öffentlichkeit - in Ermangelung einer Ombudsstelle, die das Jobcenter Remscheid, im Gegensatz zu anderen Jobcentern, vorsichtshalber nicht hat.

Wer kreative Ideen zur Linderung oder Bewältigung dieses Problems hat, ist herzlich eingeladen, sich bei mir zu melden. Auch ähnliche Erfahrungen sind willkommen!

Unser Verein ist unterwegs nach Hamburg zur Ferienfreizeit Hack'n'Fun. Die Weihnachtszeit ist für die meisten Familien finanziell eher herausfordernd, weshalb wir unsere Angebote möglichst kostengünstig halten müssen.

Seit dem 01.02.2015 ist es möglich, Nahverkehrstickets der Deutschen Bahn im HKX (Hamburg-Köln-Express) zu benutzen (siehe hier. So kostet für unsere heutige Fahrt ein Schönes-Wochenende-Ticket für fünf Personen 56 Euro.

Doch so toll das Angebot ist: Als wir uns mit 15 Kindern darauf verlassen wollten, ließ uns HKX freundlicherweise im Stich. Ganze drei Minuten vor Abfahrt des Zuges erhielten wir per Lautsprecherdurchsage am Bahnsteig die Information, dass der HKX 1802 heute nur von Fahrgästen mit Sitzplatzreservierung über HKX, nicht aber mit DB-Tickets benutzt werden darf.

Weder auf der Website noch in den sozialen Medien war irgendeine derartige Information zu finden. Dankenswerterweise informierte HKX dann auch wenige Minuten nach Abfahrt des Zuges auf Twitter.

Und 15 Kinder sitzen enttäuscht am Bahnsteig und fürchten um ihre Ferienfreizeit in Hamburg. Natürlich ist die Fahrt nach Hamburg noch möglich, nun mit drei Umstiegen und über zwei Stunden mehr Fahrzeit.

Die für heute Nachmittag geplante Tour durch die Speicherstadt und den Hafen? Entfällt, dank der absolut genialen Kundeninformation eines Privatbahnunternehmens, das offenbar versucht, der Deutschen Bahn in Sachen schlechter Service Konkurrenz zu machen.

Vielen Dank, HKX!

Aktuell steht die Wahl der Delegierten zur Mitgliederversammlung des DJH-Landesverbandes Rheinland e.V. an. Da die meisten der Kandidaten für uns vollkommen unbekannt sind, haben wir online kleine Recherchen angestellt. Für diejenigen, denen das ähnlich geht, hier einige kurze Absätze zu den Kandidaten, ohne Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit.

Die dargestellten Kurzprofile spiegeln keine Meinung des Teckids e.V. wider.

Werner Becker-Bloningen

Werner Becker-Bloningen ist amtierender Bürgermeister der Stadt Wiehl. Dort ist er seit über 40 Jahren im öffentlichen Dienst aktiv. Er ist 65 Jahre alt und hat zum Rentenalter entschieden, nicht erneut als Bürgermeister anzutreten, da er für Wiehl eine neue Epoche sieht und nicht „wie der Papst“ ewig regieren möchte. Laut eigener Aussage waren seine Amtszeiten für Wiehl immer erfolgreich, das Profil sieht jedoch stark unternehmenslastig aus. Werner Becker-Bloningen hat eine 22-jährige Tochter.

Quellen: [1] [2]

Christoph Buchen

Christoph Buchen ist als Ornithologe im Amt für Naturschutz in Morsbach zowie im Vorstand des Heimatvereins Morsbach tätig. Aufmrksamkeit erreichte er vergangenes Jahr durch ein ufmangreiches Gutachten zum Artenschutzverstoß durch den Bau einer Klink und mehrerer Windkraftanlagen im Landschaftsschutzgebiet Wiehltalsperre. Nebenbei hat er mehrere Bücher über seine Heimat veröffentlicht.

Quelle: [3]

Jochen Hagt

Jochen Hagt ist 58 Jahre alt und aktives Mitglied der CDU Oberberg. Zur Zeit ist er Kreisdirektor des Oberbergischen Kreises und Anwärter auf die Position als Landrat. Seine Ziele sind unter anderem „die Stärkung regionaler Zusammenarbeit, Wirtschaftsförderung, bestmögliche Bildungsangebote, Erleichterungen fürs Ehrenamt oder wohnortnahe und leistungsfähige Gesundheitsfürsorge“.

Quellen: [4] [5]

Dr. Wolfgang Isenberg

Dr. Wolfgang Isenberg ist seit 1989 Direktor der Thomas-Morus-Akademie Bensberg, einem Institut für katholische Erwachsenenbildung. Im Jahr 2005 wurde er mit dem Columbus-Ehrenpreis für Reisejournalismus ausgezeichnet.

Quellen: [6] [7]

Peter Koester

Peter Koester ist seit 2008 Bürgermeister der Stadt Waldbröl und Mitgliedder CDU. Er setzt sich unter anderem für eine demographisch angepasste Schullandschaft ein und sticht gerne mal ein Fass an.

Quellen: [8] [9]

Dr. Andreas Lange

Dr. Andreas Lange ist Notar in Bonn.

Quelle: [10]

Hans-Christian Lehmann

Hans-Christian Windeck ist seit 2012 Bürgermeister in Windeck und Mitglied der SPD. Im Sommer 2013 fiel er auf, als er kurzentschlossen auf Anfrage der Windecker Jugendlichen einen kleinen Badestrand am Siegufer aufschütten ließ. Die spontane Aktion wurde von der CDU zunichte gemacht, Herr Lehmann bezahlte die Auslagen danach privat.

Quellen: [11] [12]

Otto Neuhoff

Otto Neuhoff ist Bürgermeister der Stadt Bad Honnef und gehört keiner Partei an. Er war lange Zeit in der Jugendarbeit aktiv und Leiter des Stadtjugendrings. Hauptberuflich ist er in verschiedenen Tochterfirmen der DTAG als Geschäftsführer tätig.

Quelle: [13]

Herbert Schibelka

Herbert Schibelka ist Ordnungsamtschef der Gemeinde Lindlar.

Quelle: [14]

Sebastian Schuster

Sebastian Schuster ist Landrat im Rhein-Sieg-Kreis und Mitglied der CDU. Er ist Behördenleiter der Kreisverwaltung. Seine Hauptziele in der Bildung sind eine gute Vernetzung von Schule, Wissenschaft und Wirtschaft.

Quelle: [15]

Dr. Jörg Weber

Dr. Jörg Weber ist CDU-Fraktionsmitglied im Radevormwalder Stadtrat und Leiter des Jugendhilfeausschusses.

Quelle: [16]

Auf der diesjährigen re:publica in Berlin habe ich viele spannende Vorträge besucht. Besonders - sowohl im privaten Interesse als auch im Interesse des Vereins - habe ich insbesondere pädagogische und didaktische Vorträge besucht.

Noch kurzfristig fiel mir dann ein Vortrag auf, der für heute um 13:45 Uhr geplant war: "Zahnbürste oder Longboard!" von Lorenzo Tural Osorio, einem zwölfjährigen Jungen aus Nürnberg.

An dieser Stelle muss ich mich vor allem bei Lorenzo entschuldigen, denn ich hätte von diesem Vortrag prinzipiell alles erwartet. Die etwas "alles aber nichts"-sagende Beschreibung der Session warf die Frage auf, was denn davon zu halten sei - ein Zwölfjähriger, der sich für einen Consultant hält?

Lorenzos Vortrag begann dann in einem vollkommen überfüllten Raum mit der Vorstellung des Jungen - eines Jungen, der einfach die Faszination und die sozialen Möglichkeiten des Internets entdeckt hat und seine Begeisterung in den Grenzen seiner Möglichkeiten auslebt. Und vor allem ehrlich, offen und natürlich davon erzählt - nicht, weil es mit seinen Fähigkeiten angeben möchte, sondern einfach, weil er gerne er selbst ist und andere das erfahren lässt.

Genau das spiegelte sich dann auch in den Reaktionen des Publikums. Lorenzo erzählte einfach aus seinem Leben, in dem er soziale Netzwerke anders entdeckt halt als viele seiner Altersgenossen. Und er tut es genau so, wie er jeden Tag lebt - frei und als ganz normaler Zwölfjähriger, eben mit einem ernsthaften Hobby. Das Publikum lacht ausgelassen über Lorenzos Sprüche - was er gar nicht versteht, denn er kommt nicht in der Absicht, besonders komisch zu sein. Er begreift erst später, dass genau seine natürliche und unverbrauchte Art das ist, was die Besucher der re:publica heute noch zur Abrundung brauchten. Und damit wird er, vor Ort als auch auf Twitter, zum besten Speaker und der "coolsten Socke" der Veranstaltung gewählt.

Lorenzo hätte, da bin ich mir sicher, auch eine halbe Stunde über Social Media-Strategien erzählen können. Das hätte die Fachwelt begeistert, aber ich bin froh, dass er es nicht getan hat. Denn was er uns gezeigt hat, ist deutlich wichtiger - die Fähigkeit, reflektierend und gezielt mit den Werkzeugen der Online-Welt umzugehen und sie in sein Leben zu integrieren, ohne dabei abzudrehen.

Umso mehr habe ich mich gefreut, Lorenzo nach seinem Vortrag noch zu einem Interview bitten zu dürfen. Bevor ich noch lange rede, kommen wir lieber zur Sache!


Nik

Ja, ich weiß schon, wer du bist; du bist der Lorenzo, aber vielleicht magst du dich trotzdem nochmal kurz vorstellen?

Lorenzo

Ich bin Lorenzo Tural Osorio, bin zwölf Jahre alt und mache Facebook schon seit ich acht, neun Jahre alt bin. Ich hab da Seiten erstellt, aber das könnt ihr ja alles auf Facebook nachschauen.

Nik

Das war ja vorhin eigentlich auch die Einleitung von deinem Vortrag, dass du da ein paar Infos über dich selbst stehen hattest und gesagt hast, "ja hier lest doch, warum soll ich das jetzt erzählen" … das war glaube ich das erste Mal, wo das Publikum richtig gelacht hat. Das hat dich gewundert und das wollte ich dir vorab mal eben kurz erklären. Ich glaube, dass du ganz einfach einer der natürlichsten Speaker hier auf der re:publica warst. Auch, wenn die meisten anderen Speaker natürlich ihren Talk anders vorbereiten und einen anderen Anspruch haben, hast du glaube ich in deiner halben Stunde mehr gesagt als zum Beispiel das Gebrabbel vom David Hasselhoff am ersten Tag. Das war glaube ich der Grund, warum sich alle so gefreut haben über deinen Vortrag.

Lorenzo

Die anderen haben sich, glaube ich, manchmal so ein bisschen verstellt, dass sie absichtlich so ihre Art haben raushängen lassen. Ich hab einfach so gesprochen.

Nik

Also, seit du neun bist, bist du im Internet unterwegs und wir haben jetzt hauptsächlich gehört, dass du dich in sozialen Netzwerken betätigst. Was ist denn das Internet für dich eigentlich?

Lorenzo

Für mich ist das Internet eine Möglichkeit, sich zu verbinden. Da wären wir schon wieder bei Facebook. Für mich ist das aber eigentlich einfach Normailität, da gibt es nicht so einen richtigen Begriff für.

Nik

Würdest du dich eher als Internetheimischer sehen, also, lebst du quasi im Internet, oder lebst du eigentlich so dein normales Leben und machst nebenbei mal ein bisschen was im Internet?

Lorenzo

Das ist so fifty-fifty. Ich habe natürlich auch ein real life, aber Internet ist eigentlich schon so mein zu Hause. Ich verstelle mich da aber auch nicht, ich bleibe einfach natürlich wie immer.

Nik

Du hast also mit neun Jahren angefangen, dir ganz viel selber beizubringen. Du bist jetzt zwölf, wirst dieses Jahr dreizehn, wenn ich richtig gerechnet habe und du erklärst sowohl Gleichaltrigen als auch Erwachsenen die Welt - also die Online-Welt. Wie bsit du dazu gekommen, dass Leute auf dich gehört haben? Also, dass Leute gesagt haben: "Bring mir mal was bei"?

Lorenzo

Am Anfang war es so, dass ich meine Seiten selber gemacht habe, und dann hat jemand gefragt: "Lorenzo, weißt du zufällig, wie das geht", und dann hat sich das von selbst entwickelt.

Nik

Es gibt glaube ich viele junge Leute in deinem Alter, die eine ganze Menge können, einige haben aber die Probleme, dass sie nicht ernst genommen werden. Hast du das auch schon mal erlebt, dass Erwachsene oder auch Gleichaltrige mit dem, was du kannst, nicht ernstgenommen haben?

Lorenzo

Nein, überhaupt nicht. Ich kenne Freunde, die, weil sie irgendeinen Schrott posten, dann nicht ernst genommen werden. Aber bei mir ist es so, ich mache ja was Ernstes und deswegen habe ich keine Probleme damit.

Nik

Und wenn du jetzt auf Leute zugehst? Du merkst zum Beispiel, die Blumenhändlerin aus dem Nachbarort, die hat da so überhaupt keine Ahnung von, gehst du dann auch direkt auf Leute zu und fragst, ob du ihnen das mal zeigen sollst?

Lorenzo

Ne ne, die müssen auf mich zukommen, weil ich gehe jetzt nicht zu Leuten und sage: "Hey, deine Facebook-Page ist voll für den A…". Die sollen schon von selbst auf mich zukommen.

Nik

Wie sieht es denn für dich mit der Technik aus? Bei uns geht es hauptsächlich darum, dass Kinder und Jugendliche Anderen technische Sachen beibringen, dazu gehören soziale Netzwerke jetzt vielleicht auch so ein bisschen, aber mit was für Technologien hast du dich denn im Internet schon mal beschäftigt?

Lorenzo

Richtige Websites habe ich eigentlich bisher nur meine eigene gemacht und meinem Vater halt dabei geholfen, dass seine gut aussieht, auch für die jüngere Zielgruppe. Sonst habe ich mich noch nicht so stark mit HTML und sowas auseinandergesetzt.

Nik

Wie hast du das gemacht mit deiner Website, wie hast du die gebaut?

Lorenzo

Mit Joomla.

Nik

Ok, und das hast du selber gemacht?

Lorenzo

Mein Vater hat mir schon dabei geholfen. Ich kann ja jetzt nicht einfach mal ein Template kaufen gehen oder so. Aber die Inhalte habe ich alle selber erstellt.

Nik

Du siehst dich da also eher im Marketing, also mit Texten, sorgst dafür, dass Sachen gut ankommen und so?

Lorenzo

Ja, also eher so Beratung.

Nik

Was machst du denn sonst noch, wenn du jetzt nicht vor dem Computer sitzt; was machst du dann so mit deinen Freunden?

Lorenzo

Mich mit meinen Freunden treffen und mit ihnen über Facebook reden (lacht); ich spiele manchmal Basketball und fahre Longboard. Das ist ja auch der Titel von meinem Talk, "Zahnbürste oder Longboard". Ansonsten kenne ich meine Hobbies jetzt nicht so bewusst. Vielleicht mache ich was oft, aber ich kann es jetzt nicht nennen.

Nik

Die Antwort auf die eine Frage bist du uns ja auch noch schuldig geblieben: Zahnbürste oder Longboard? In welcher Reihenfolge kommen denn Internet, Zahnbürste und Longboard jetzt für dich?

Lorenzo

Das ist für mich eigentlich alles gleich wichtig. Also, es ist schon immer wichtig, dass man gesunde Zähne hat, und jetzt ist es schon fast so wichtig, dass man eine gute Facebook-Page hat. Also, es ist jetzt beides so gleichgestellt.

Nik

Also, du benutzt auch alle drei Sachen gleich viel, Internet, Zahnbürste und Longboard?

Lorenzo

Naja, ich benutze sogar das Internet mehr als meine Zahnbürste (lacht).

Nik

Gut, danke, Lorenzo!


Dem einen oder anderen wird auffallen, dass ich Lorenzo die ganze Zeit die Nutzung von Facebook und anderer proprietärer Dienste durchgehen lasse. Das kennt man von mir so nicht - aber das ist ganz einfach: Im Gegensatz zu den meisten anderen hat Lorenzo seine Werkzeuge verstanden (und verstanden, dass es Werkzeuge sind). Er benutzt Dienste, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen. Dagegen spricht nichts, und wir brauchen in unserer Welt nicht nur Freie Software-Kämpfer und Revolutionäre, sondern auch kreative, junge Menschen, die sich genau so gerne die Zähne putzen, wie sie sich und andere im Internet bekannt machen.

Natürlich fände ich es toll, wenn jeder Jugendliche mit Themen wie freien Standards, vertrauenswürdigen Plattformen und der Tatsache, dass eben nichts egal ist, vertraut wäre. Aber die Persönlichkeitsentwicklung dadurch, das tun zu dürfen, was einem liegt und Spaß macht, darf erst einmal nicht unterschätzt werden, auch wenn es vielleicht an unseren Prinzipen kratzt.

Aber wer weiß, vielleicht hat unser Verein ja bald einen neuen Social Media-Berater ☺‽

Heute morgen stieß ich beim Durchlesen meiner Twitter-Timeline auf einen Blogbeitrag eines 11-jährigen Jungen, der an der PyCon 2014 in Kanada teilnahm und darüber sehr ausführlich und in einem hervorragenden Artikel berichtet.

Als Reaktion auf den Tweet las ich dann die ungläubige Antwort eines anderen Benutzers, der umfangreiche Zweifel daran äußerte, dass ein 11-jähriger Junge den Text verfasst haben kann.

Angesichts der Ziele unseres Vereins und meiner eigenen Sichtweisen und gerade nach meinen Erfahrungen der Deutschland-Tour zu unseren neuen Tutoren möchte ich einmal in einem Blogpost äußern, dass ich es schade finde, wie wenig Kindern großflächig zugetraut wird.

Egal ob in der Schule, zu Hause oder in der Freizeit - die Unterschätzung der Fähigkeiten von Kindern ist sehr weit verbreitet. Klar gibt es schwächere und stärkere Kinder, aber Unterscheide - auch in unseren Fähigkeiten zu haben - ist eine Eigenschaft von Menschen, nicht speziell von Kindern.

Und natürlich sieht man die versteckten Fähigkeiten der Kids auch nicht, wenn man nie die Möglichkeit einräumt, diese zu entfalten. Das ist ein Phänomen, das ich besonders seit meinem Wechsel als ehrenamtlicher Mitarbeiter an die Sekundarschule Remscheid beobachte. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit entdeckt man Talente bei Schülern, die den Aussagen ihrer Grundschullehrer zufolge (und in der Folge natürlich auch ihrer eigenen Einschätzung nach) nur sehr wenig leisten können. Und am Ende landen gerade diese Kinder dann bei uns als Tutoren.

Doch auch, wenn ein Kind es schafft, Anerkennung für seine Fähigkeiten zu erhalten, fehlen häufig die Angebote zum Ausbau. Ich bin froh, dass ich das persönlich, und auch als pädagogischer Leiter unseres Vereins, für einzelne Kinder ändern kann - ich bitte aber alle Menschen darum: Nehmt unsere Kinder ernst, traut ihnen etwas zu, und glaubt ihnen, dass sie etwas können!

Was ich bei "ganz normalen" Kindern gesehen habe, übersteigt alles, was ich selber für möglich gehalten hätte. Doch 11-jährige, die sich selber durch Minecraft in die Lage versetzen, Theoretische Informatik-Klausuren auf Uni-Niveau zu läsen und Grundschüler, die völlig selbstverständlich freie Software, Hash-Funktionen und git erklären, existieren wirklich - und nicht nur vereinzelt. Dabei rede ich nicht von Nerds, sondern von Kindern wie allen anderen.

Ach ja, dieser Blog ist auch nur dadurch entstanden, dass einer unserer Jüngsten eine Möglichkeit suchte, sich Gehör mit einem Artikel über freie Suchmaschinen zu verschaffen - und aus diesem Grund die Mitglieder-Blogs eingeführt wurden. Danke für deine hervorragende Idee und deine Vorarbeit, Simon!

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